Was können Sie bis zum Termin in der Sprechstunde tun?

Selbstbeobachtung

Der erste wichtige Schritt besteht darin, dass Sie sich über die tageszeitlichen Zusammenhänge zwischen Auftreten der Schmerzen und eventuell bestehender Parafunktionen bewusst werden. Diese laufen oftmals im Unterbewusstsein ab, so dass Sie sich mittels Merkhilfen wie bspw. roter Punkte an Orten verstärkter Konzentration und/oder Anspannung daran erinnern sollten, was Sie in diesem Moment mit Ihren Zähnen, Lippen, Wangen oder Ihrer Zunge tun. Ein über mehrere Tage oder Wochen geführtes Protokoll über diese Zusammenhänge kann Ihnen und Ihrem Therapeuten wichtige Hinweise auf Ursachen Ihrer Erkrankung und Ihrer Schmerzen liefern.

Schonkost – Einschränken der Mundöffnung

Eine weitere wichtige Selbsthilfe bei Temporomandibulären Dysfunktionen kann darin bestehen, vorübergehend alle harten und zähen Speisen, wie Äpfel, Karotten oder Brotkrusten sowie Fleisch zu meiden. Statt dessen sollten Sie weiche und flüssige Speisen wie Eintöpfe, Suppen, Nudelgerichte, Milchprodukte, Bananen, usw. bevorzugen. Bedenken Sie bitte: Sie sollten nach derartigen Nahrungsmitteln Ihre Zähne besonders gründlich putzen, da sie gut an den Zähnen haften und die Entstehung von Zahnbelägen und damit Karies und Zahnfleischentzündungen begünstigen. Außerdem sollten Sie langes Sprechen und weite Mundöffnungen, wie bspw. beim Gähnen, unbedingt vermeiden. Kaugummikauen sollte unbedingt vermieden werden.

Selbstmassagen und Muskelübungen

Muskelübungen sowie Selbstmassagen, die Sie eventuell schon von Ihrem Zahnarzt verschrieben bekommen haben und durch einen Physiotherapeuten angeleitet werden, sind oft sehr hilfreich. Sie können verspannte Kaumuskeln lockern, sie wieder gleichmäßig aktivieren und dabei helfen, die normale Funktion von Muskeln und Kiefergelenken wiederherzustellen. Entspannung sollte immer ohne Zahnkontakt erfolgen: Bei der normalen Unterkieferhaltung haben die Zähne keinen Kontakt, die Zunge liegt locker am Mundboden und die Lippen sind leicht aneinandergelegt. Versuchen Sie sich auch bei konzentrierter Arbeit bewusst zu entspannen. Darüber hinaus tut Wärme im Bereich der Wangen bzw. der Kiefergelenke oftmals gut. Aber Vorsicht: Nicht auf Sie abgestimmte oder falsch ausgeführte Muskelübungen können den Zustand allerdings auch verschlimmern!

Stressabbau

Beruflicher Stress wie Termindruck, Überstunden, aber auch zwischenmenschliche Probleme im Beruf wie zu Hause können maßgeblich zur Entstehung von Temporomandibulären Dysfunktionen beitragen. Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation (Jacobsen) oder Atemtechniken, aber auch Stressbewältigungsverfahren können oftmals notwendig sein, um eine langfristige Verbesserung des Zustandes zu erreichen. Aber auch normale Bewegung, wie Spazieren gehen, Schwimmen, Radfahren, jede sportliche Betätigung kann zum Stressabbau beitragen.

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Dr. Markus Fussnegger